
Die Crux mit der KI: Wenn der digitale Assistent zum Saboteur wird
Künstliche Intelligenz ist mittlerweile überall. In jedem Browser, in jeder App, in aller Munde. Auch mein Umgang mit KI hat sich in den letzten Monaten massiv gewandelt. Ich nutze sie nicht mehr als Spielerei, sondern ganz gezielt als Assistenten für komplexe Aufgaben. Sie ist quasi mein persönlicher IT-Assi, der immer Zeit hat.
Klingt perfekt, oder? Genau hier liegt die Crux.
Die Euphorie-Falle
Am Anfang läuft's meistens rund. Du stellst eine Frage, bekommst ein Skript geliefert, und es funktioniert einfach. Du fühlst dich produktiv. Magisch.
Doch dann kommt der Moment: Der Assi fängt an, Blödsinn zu machen. Er schlägt Schritte doppelt vor, vergisst den Kontext oder führt dich mit voller Überzeugung in eine Sackgasse.
Der schlimmste Fall tritt ein, wenn du selbst träge wirst. Du möchtest eine Sache konfigurieren. Anfangs liest du noch mit, vollziehst die Schritte nach, verstehst, was da passiert. Aber wenn die Probleme auftauchen, die KI immer neue "Lösungen" ausspuckt und die Frustration steigt, passiert es:
Der Copy & Paste-Modus setzt ein.
Du hörst auf zu denken. Befehl kopieren, Terminal, Enter. Fehlermeldung kopieren, KI füttern, neuer Befehl, Terminal, Enter. Rinse and repeat.
Wenn das System "verfrickelt" ist
Irgendwann ist der Punkt erreicht: Das System ist komplett kreuz und quer verfrickelt. Du hast den Überblick verloren, welche Config-Datei von welchem Skript überschrieben wurde. Herzlichen Glückwunsch, du hast dir gerade ein System-Frankenstein gebastelt.
So ist es mir neulich mit meinem Omarchy-Setup auf dem ThinkBook ergangen. Mein Ziel war eigentlich edel: Ich wollte das Power-Management optimieren. Ein bisschen Laufzeit rauskitzeln mit automatisierten Skripten und auto-cpufreq. Ich hab der KI vertraut.
Das Ergebnis? Ein Desaster.
Statt eines effizienten Laptops hatte ich plötzlich ein bizarres Login-Verhalten: Nach der Passworteingabe musste ich zusätzlich den Fingerprint-Reader betätigen – völlig sinnlos. Schlimmer noch: Der Laptop ging nicht mehr sauber in Suspend oder Hibernate. Er blieb einfach wach und Lüfter gingen nicht mehr aus. Aus den 20 W Verbrauch, habe knapp 6-8 Watt gemacht. Aber irgendwann waren es wieder 16 Watt. Russisches Roulette, digitial.
Ich hab versucht, die Schritte rückgängig zu machen. Configs gelöscht, Dienste deaktiviert – ohne Erfolg. Der Geist war aus der Flasche, und er hatte keinen Bock, wieder reinzugehen.
Der Monk in mir
Jetzt stehe ich vor den Trümmern meines Schaffens. Das System läuft zwar irgendwie, aber es fühlt sich nicht mehr gut an. Es ist unsauber. Und hier kommt mein innerer Monk zum Vorschein: Es muss nicht nur funktionieren, es muss perfekt funktionieren.
Ein System, bei dem ich weiss, dass im Hintergrund verwaiste Skripte oder falsche Parameter schlummern? Das macht mich wahnsinnig.
Die Konsequenz? Ich werde mein Omarchy komplett neu installieren. Tabula rasa. Nur so werde ich das Gefühl los, auf einer digitalen Baustelle zu arbeiten.
Fazit: KI ist ein Werkzeug, kein Autopilot
Das ist die wahre Crux mit der KI. Sie verleitet uns dazu, Dinge umzusetzen, die wir ohne sie vielleicht gar nicht angefasst hätten – oder für die wir uns früher viel mehr Zeit zum Verständnis genommen hätten.
Meine Lektion daraus:
- Wenn du keine Ahnung hast, was ein Befehl tut – Finger weg.
- Weniger Copy & Paste. Sobald du aufhörst zu lesen und nur noch kopierst, hast du eigentlich schon verloren.
- Die KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz für dein Gehirn.
Unterm Strich: KI macht Spass und ist mächtig. Aber sie braucht dich als kritischen Kopiloten – sonst landest du früher oder später in der System-Hölle.
Und dann hilft nur noch: Neuinstallation. 🔄
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