Die „Pflanzlich-Falle“: Zwischen Krebsdiagnose und dem Schock an der Kasse
Es ist oft ein Weckruf, der uns zurück zu dem führt, was eigentlich offensichtlich ist: Unsere Ernährung ist unser Treibstoff und die beste Medizin. Nach der Krebsdiagnose meiner Partnerin haben wir uns wieder intensiv damit auseinandergesetzt, was auf unsere Teller kommt. Wir waren schon immer „gut“ dabei, aber jetzt ist die Priorität klar: So wenig tierische Proteine wie möglich.
Doch beim ersten grossen Einkauf kam der Schock an der Kasse. Wer den Fleisch-Warenkorb einfach 1:1 durch vegane Fleisch- und Joghurt-Alternativen ersetzt (was nicht das Ziel ist: siehe unten), merkt schnell: Pflanzliche Ernährung kann verdammt teuer sein.
Wenn der Joghurt zum Luxusgut wird
Wir lieben es: Quark oder Joghurt mit Haferflocken, frischen Früchten, Samen und Nüssen. Auf der Suche nach Ersatz sind wir wieder bei Soja- und Kokosjoghurt gelandet – und fielen fast vom Hocker. Vegane Alternativen sind immer noch so teuer! . Ein Blick auf die Preise (Quelle: Migros) macht das Ausmass deutlich:
- M-Budget Joghurt Nature: 0.17 CHF / 100g
- Alpro Joghurt Nature: 0.69 CHF / 100g
- Alpro mit Geschmack: 0.78 CHF / 100g
Das bedeutet: Für einen 400g-Becher pflanzliche Alternative zahlen wir zwischen 2.75 CHF und 3.10 CHF. Wir zahlen für die pflanzliche Variante also locker das Vierfache des Basis-Tierprodukts. Im Vergleich dazu wirkt selbst Bio-Kuhmilchjoghurt mit ca. 1.30 CHF fast wie ein Schnäppchen.
Warum ist das so? Der Hype und das System
Man fragt sich unweigerlich: Was macht die pflanzliche Alternative so teuer? Ist es der Produktionsaufwand oder einfach nur cleveres Marketing? Die Antwort ist vielschichtig:
- Subventions-Verzerrung: Die Milchwirtschaft wird massiv staatlich gestützt. Ein Teil der Kosten für das billige M-Budget Joghurt wurde bereits über unsere Steuergelder bezahlt. Pflanzliche Produkte erhalten diese Schützenhilfe nicht.
- Skaleneffekte: Die Infrastruktur für Kuhmilch ist seit Jahrzehnten perfektioniert. Pflanzliche Alternativen sind zwar im Kommen, aber im Vergleich immer noch ein Nischenprodukt mit höheren Logistik- und Produktionskosten.
- Die „Lifestyle-Steuer“: Detailhändler wissen, dass Menschen, die aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen umsteigen, bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen. Hier werden oft deutlich höhere Margen abgeschöpft.
- Technologische Komplexität: Um aus einer Bohne oder einer Nuss die Cremigkeit von Joghurt zu kopieren, sind oft aufwendigere Verfahren nötig als bei klassischer Fermentation von Tiermilch.
Gesundheit vs. Portemonnaie?
Das Paradoxe ist: Für die Genesung und den Zellschutz sind gerade diese hochverarbeiteten Ersatzprodukte oft gar nicht die beste Wahl. Sie enthalten oft zu viel Zucker, Bindemittel und isolierte Fette. Wenn wir über eine entzündungshemmende Ernährung sprechen, landen wir eigentlich immer bei Single-Ingredient-Foods.
Unsere Strategie für die Zukunft: Wir finden gerade wieder zurück zum „echten“ Essen. Weg von der teuren Kopie aus dem Kühlregal, hin zum Original.
- Hülsenfrüchte statt Fake-Meat: Linsen und Bohnen sind die günstigsten Proteinquellen der Welt.
- Selbermachen: Wir holen die ganzen Ernährungs- und vegane Kochbücher hervor und entdecken wieder die ganze Vielfalt ... wie früher.
- Saisonal & Regional: Das schont das Budget und liefert die maximale Nährstoffdichte.
Der Griff zum Alpro-Becher ist bequem, aber er ist ein Luxus, den man sich leisten können muss und will – und den der Körper für die Heilung nicht zwingend braucht. Wir nehmen die Zügel wieder selbst in die Hand. Das spart nicht nur Geld, sondern gibt uns vor allem das Gefühl, aktiv und selbstbestimmt etwas für die Gesundheit zu tun.
Wie geht ihr mit den Preisen für pflanzliche Alternativen um? Akzeptiert ihr den „Aufpreis für das gute Gewissen“ oder habt ihr Wege gefunden, die Industrie zu umgehen?
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