Twitter/X ist durch. Niemand, der noch halbwegs seriös ist, hat dort einen Account. Dieses Thema ist durch. Quelle: C0D1 Online
X ist tot – sagt die deutsche Bubble
Diese „X ist durch“-Nummer? Das ist vor allem eines: Bubble-Denken. Und zwar aus einer ziemlich deutschen Perspektive.
Global gesehen ist die Plattform alles andere als tot. In den USA und vielen anderen Ländern bleibt X ein zentraler Hub für Politik, Medien, Wirtschaft und Tech – mit hunderten Millionen aktiven Nutzern. Dass sich das hierzulande anders anfühlt, liegt eher daran, dass Deutschland nie ein besonders starker Twitter-Markt war und viele lokale Communities abgewandert sind. Daraus aber abzuleiten, die Plattform sei insgesamt irrelevant geworden oder „niemand Seriöses“ sei noch dort, ist schlicht eine Verwechslung von persönlicher Wahrnehmung mit der Realität.
Hinzu kommt diese moralische Abkürzung: „Wer seriös ist, bedient kein Netzwerk von Elon Musk.“ Das ist klassische Moralapostel-Logik. Plötzlich geht es nicht mehr um Inhalte, Reichweite oder Wirkung, sondern um Gesinnungschecks über den Plattformbetreiber. Nach derselben Logik müsste man konsequenterweise auch Amazon, Google, Apple, Meta oder TikTok meiden – überall sitzen problematische Persönlichkeiten, Investoren oder Staaten dahinter. Diese Haltung ersetzt Argumente durch Etiketten. Statt zu fragen: „Erreiche ich dort Menschen?“, heisst es nur noch: „Fühle ich mich dort moralisch überlegen?“ Das ist keine Medienkritik, das ist Selbstvergewisserung.
Seriosität hängt nicht vom Kanal ab, sondern vom Inhalt. Kommunikation findet dort statt, wo Menschen sind – nicht dort, wo man sich ideologisch am wohlsten fühlt. Wer Plattformen pauschal canceln will, cancelt am Ende nicht problematische Inhalte, sondern gleich die Infrastruktur. Das mag sich gut anfühlen, ändert aber nichts an globalen Reichweiten, Diskursen oder Meinungsbildung. Totgesagte twittern eben länger – vor allem ausserhalb der eigenen Bubble.
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