Eine reale Datenanalyse zur Batteriedegradation, die beeindruckt und zeigt, was moderne E-Mobilität wirklich kann.
In der Welt der Elektromobilität gibt es eine Frage, die über allen anderen schwebt und selbst die hartgesottensten Techies und Ingenieure nachts wachhält: Was macht der Akku nach X Jahren und Y Kilometern? Wir reden nicht über Hochglanzbroschüren oder Herstellerversprechen. Wir reden über die gnadenlose Realität auf dem Asphalt.

Heute haben wir genau das: einen seltenen, unverfälschten Einblick in die Seele eines Langstreckenläufers. Unser „Patient“: ein Tesla Model S 75D, Baujahr 2016. Ein Pionier, der zum Zeitpunkt unserer Analyse im Juni 2025 stolze 218.175 Kilometer auf dem digitalen Tacho hat.
Lasst uns die Handschuhe anziehen und die Daten sezieren.
Der Tatort: Das Logfile des Ladevorgangs
Alles begann mit einem einzigen, unscheinbaren Datensatz von einer Ladesäule. Kein Marketing, keine Schätzungen, nur rohe, elektrische Wahrheit. Schaut euch das an:
Datum: 2025-06-09
Fahrzeug: Model S 75D (2016)
KM-Stand: 218.175 km
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Geladene Energie (kWh): 52,86
SOC Start: 16%
SOC Ende: 97%
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Ladedauer (Minuten): 82
Ø Ladeleistung (kW): 38,7
Max Ladeleistung (kW): 88
Allein diese Zahlen sind schon spannend. Aber das wahre Gold verbirgt sich zwischen den Zeilen. Die entscheidende Frage ist: Was sagen uns diese 52,86 kWh über die Gesamtkapazität des Akkus aus?
Die Analyse: Von Prozenten zu Kilowattstunden
Jetzt wird es interessant. Wir wissen, dass 52,86 kWh den Akku von 16 % auf 97 % gebracht haben. Das entspricht einer Ladung von exakt 81 % der aktuellen Gesamtkapazität.
Mit einem einfachen Dreisatz können wir die 100 % hochrechnen:
$$ \text{Aktuelle Kapazität} = \frac{52,86 \text{ kWh}}{81\%} \times 100\% $$
Das Ergebnis ist der erste „Wow“-Moment dieser Analyse:
Aktuelle nutzbare Nettokapazität: ca. 65,26 kWh
Der Moment der Wahrheit: Die Degradation
Eine Zahl allein ist nur eine Zahl. Sie braucht Kontext. Wie schlägt sich dieser Wert im Vergleich zum Neuzustand? Hier kommt die Nerd-Expertise ins Spiel: Ein 75D-Akku hatte nie exakt 75 kWh zur freien Verfügung. Die Bruttokapazität lag bei 75 kWh, aber die von Tesla freigegebene, nutzbare Nettokapazität im Neuzustand betrug ca. 72,6 kWh. Dieser Puffer ist entscheidend für die Langlebigkeit.
Setzen wir die Werte ins Verhältnis:
- Ursprüngliche Kapazität (neu): 72,6 kWh
- Aktuelle Kapazität (nach 218.175 km): 65,26 kWh
Der absolute Kapazitätsverlust beträgt also 7,34 kWh. Prozentual ausgedrückt:
$$ \text{Degradation} = \frac{7,34 \text{ kWh}}{72,6 \text{ kWh}} \times 100 \approx 10,1\% $$
Einordnung: Warum dieses Ergebnis so verdammt beeindruckend ist
Eine Degradation von nur 10,1 % nach fast einer Dekade und einer Strecke, die mehr als fünfmal um die Erde führt, ist nicht nur gut. Es ist phänomenal. Und hier ist, warum:
- Stabiler als erwartet: Teslas eigener „Impact Report“ spricht von einer durchschnittlichen Degradation von 12 % nach 322.000 km. Dieses Fahrzeug unterbietet den Durchschnittswert bei deutlich geringerer Laufleistung – ein Zeichen für exzellente Zellgesundheit.
- Die Kurve flacht ab: Die meiste Degradation passiert auf den ersten Kilometern. Dass dieses Fahrzeug nach über 200.000 km immer noch bei fast 90 % seiner ursprünglichen Kapazität liegt, zeigt, dass es sich längst in der stabilen, flachen Phase der Degradationskurve befindet.
- Garantie? Weit übertroffen! Tesla garantiert 70 % Kapazität über 8 Jahre oder 240.000 km. Dieser Akku steht mit fast 90 % Kapazität da und beweist, dass die Garantiewerte extrem konservativ angesetzt sind.
Fazit: Mehr als nur ein Auto – ein Stück Technikgeschichte
Dieser Datensatz ist mehr als nur eine Momentaufnahme. Er ist der Beweis, dass die erste Generation moderner, reichweitenstarker Elektroautos nicht nur ein Versprechen war, sondern eine technische Meisterleistung ist. Er zeigt, dass die Angst vor dem „plötzlichen Akkutod“ weitgehend unbegründet ist und durch eine langsam fortschreitende, berechenbare Degradation ersetzt wird.
Diese Zahlen sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis von intelligentem Batteriemanagement, fortschrittlicher Thermalkontrolle und einer Zellchemie, die auf Langlebigkeit ausgelegt ist. Für jeden Techie, der Daten liebt, ist dies der ultimative Beweis: Die Revolution auf Rädern hält, was sie verspricht. Chapeau, Tesla. Und Hut ab vor diesem Marathonläufer von einem Model S.
Seit der Aufzeichnung mit dem Teslalogger sind folgende Ladedaten verfügbar:
- Gesamtenergie: 26.199,2 kWh (100 %)
- AC-Laden: 9.427,2 kWh, was einem Anteil von 35,98 % entspricht.
- DC-Laden: 16.772 kWh, was einem Anteil von 64,02 % entspricht.

Teslalogger Model S 75D
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