Auszeit im buddhistischen Kloster Letzehof Frastanz – meine bisherigen Erfahrungen
Nach den endlosen Tagen voller Arbeit, Überstunden und Gedanken, die wie ein Karussell kreisten, habe ich Zuflucht gesucht. Und gefunden – am Letzehof. Ein Ort, den ich schon lange kannte, aber bisher nur gestreift hatte. Jetzt durfte ich eintauchen in seine Stille.
Hier stellen sich Fragen fast von selbst. Manche finden Antworten, andere bleiben offen – vielleicht für später. Ich habe erkannt, wie oft ich bewerte, noch bevor ich überhaupt hinschaue. Wie schnell ich urteile, statt einfach nur anzunehmen, was ist. *Nicht werten* Zwei einfache Worte, eine grosse Aufgabe.
Das Thema Anhaften begleitet mich wie ein Schatten. Warum sammeln wir etwas? Warum immer Neues, immer Besseres? Ich spüre, dass ich vieles schon losgelassen habe, und doch bleibt die Versuchung. Die Mönche erinnern mich daran, wie viel leichter es ist, wenn man zufrieden ist mit dem, was da ist. Kleine Freuden, unscheinbare Momente – sie sind genug. Alles, was in meinen ungelesenen Büchern längst stand, nimmt hier plötzlich Gestalt an.
Die Mönche – sie scheinen frei. Frei von dem, was uns im Alltag bindet. Und doch frage ich mich, ob sie nicht auch gefangen sind. In Ritualen, in Strukturen, im Glauben. Wenn einer stundenlang betend die Stupa umrundet, sehe ich zugleich Hingabe und Gefangenschaft. Vielleicht liegt die Wahrheit jenseits meiner Deutung. Vielleicht fehlt mir nur der Blick, der versteht.
Auch mutige Fragen habe ich gestellt. Nach Tibet, nach China. Und bekam Antworten, die nicht in Schwarz und Weiß passen. Schmerz und Verlust, ja. Aber auch Fortschritt, besseres Leben, mehr Möglichkeiten. So wie das Leben selbst: ein Geflecht aus Licht und Schatten.
Gestern sass ich in einer Gebetszeremonie, die zweieinhalb Stunden dauerte. Irgendwann glitt ich fort – in einen meditativen Zustand, halb Traum, halb Wachsein. Für einen Moment schwebte ich zwischen den Welten und musste lächeln, als ich merkte, dass ich kurz eingeschlafen war. Heute Abend wartet eine Unterweisung in Meditation. Ich weiss nicht, was sie bringen wird, aber vielleicht ist genau dieses Nicht-Wissen der erste Schritt.
Jetzt, da ich hier bin, spüre ich: Diese Tage sind kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Und sie öffnen eine Tür. Vielleicht ist es Zeit, den Pfad nicht nur zu kennen, sondern endlich zu gehen.
Amituofo
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