Von Besitz zu Miete: Wie wir im digitalen Abo-System gefangen sind
Erinnerst du dich an die Zeit, in der man für ein Produkt bezahlte und es dann besass? Eine (Software-)CD, die man ins Regal stellte. Eine DVD, die man jederzeit ohne Internetverbindung schauen konnte.
Heute ist dieses Konzept beinahe ausgestorben. Stattdessen leben wir in der Ära der Abonnements. Wir zahlen monatlich, um Zugang zu Dingen zu haben, die wir nie wirklich unser Eigen nennen können. Das ist die Abo-Falle, in die wir alle geraten sind.
Wie wir in die Abhängigkeit gelockt werden
Die Anbieter haben uns mit einer verführerischen Taktik geködert: Bequemlichkeit und scheinbar niedrige Kosten. Für nur ein paar Euro im Monat bekommst du Zugang zu Millionen von Songs, Tausenden von Filmen oder den neuesten Software-Updates. Das klingt nach einem guten Deal, oder?
Doch die wahren Kosten zeigen sich erst, wenn man das Kleingedruckte liest – oder besser gesagt, wenn man auf den Kontoauszug schaut. Das Handy-Abo, der Streaming-Dienst, die Software für die Bildverwaltung, vielleicht noch eine Mitgliedschaft oder eine Handy-App – all diese „kleinen“ Beträge summieren sich schnell zu einer stattlichen monatlichen Summe. Die ursprüngliche Verlockung wird zur finanziellen Belastung.
Der Verlust des Besitzes und die Abzocke
Das Perfide am Abo-Modell ist, dass wir das Gefühl des Besitzes verlieren. Du zahlst für einen Dienst, aber was passiert, wenn du das Abo kündigst? Der Service verschwindet, der Zugang ist weg. Du hast in all den Monaten nichts erworben, was dir weiterhin gehört. Die Anbieter wissen, dass die Trägheit der Kunden eine ihrer größten Einnahmequellen ist. Viele vergessen ein Abo oder scheuen den Aufwand der Kündigung. Diese mentale Bequemlichkeit wird von Unternehmen schamlos ausgenutzt.
Es ist eine Form der schleichenden Enteignung. Wir zahlen immer wieder für Dinge, die wir jederzeit wieder verlieren können. Das ist keine ehrliche Wertschöpfung, sondern eine Methode, uns in eine finanzielle Abhängigkeit zu drängen.
Die gesellschaftliche Dimension der Abo-Kultur
Diese Entwicklung hat auch eine tiefere, gesellschaftliche Dimension. Sie schafft eine digitale Kluft. Wer sich die vielen Abos nicht leisten kann, wird von wichtigen Services ausgeschlossen – sei es die neueste Software für den Beruf, Weiterbildungsplattformen oder schlicht Unterhaltung, über die alle reden. Der freie und uneingeschränkte Zugang zu Kultur und Wissen wird durch monatliche Gebühren eingeschränkt.
Die Abo-Kultur zwingt uns, in einem System zu leben, das uns permanent zur Kasse bittet und uns gleichzeitig das Gefühl vermittelt, auf der anderen Seite des Zauns zu stehen, wenn wir nicht mitmachen.
Es ist an der Zeit, die Abo-Falle zu erkennen und sich aus ihr zu befreien.
Meine eigenen Abos sind überschaubar: Handyvertrag, Internet und Kabel-TV sind für mich eine Art Grundversorgung. Dazu kommen nur noch (oldschool) ein Zeitungs-Abo der Image Hifi, Google Gemini Pro und Picdrop.
Aber wie sieht es bei dir aus? Wie viele Abos hast du wirklich und was kosten sie dich im Monat? Und ist jedes einzelne davon wirklich so unersetzlich, wie es scheint?
Kommentare: 0
Kommentare sind geschlossen.