Macht wieder Fotos, hört auf zu knipsen!

Nikon Coolpix P7100: Warum eine 14 Jahre alte Kamera mein iPhone schlägt

Lasst uns mal ehrlich sein. Schaut in eure Fotogalerien. Was seht ihr? Tausende von Bildern, geknipst mit dem Smartphone. Schnell, einfach, gedankenlos. Und wisst ihr was? Man sieht es ihnen an.

Es ist ein Look, den wir alle kennen. Die Farben schreien einen an, die Sättigung ist am Anschlag, HDR bügelt jede natürliche Lichtstimmung glatt und alles ist auf eine unheimliche Art und Weise überschärft. Zoomt man nur ein kleines bisschen rein: Pixelbrei. Und dann ist da noch diese künstliche Weichzeichnung, die uns die KI als „Porträtmodus“ verkauft. Für mich ist das seelenlos. Es ist emotionsloses Geknipse.

Ich komme aus der Welt der Fotografie, in der Glas und Licht die Hauptrollen spielen, nicht der Software-Algorithmus. Mein „Tafelsilber“, eine Nikon D850 mit den passenden Objektiven, bringt gerne mal vier Kilo auf die Waage. Fantastisch für geplante Shootings, aber für eine spontane Tour mit dem Motorrad oder einen einfachen Spaziergang? Purer Overkill.

Ich wollte also wieder eine „gute“ Kompaktkamera. Eine, die Fotos macht, keine KI-generierten Abbilder der Realität. Ich hatte schon einige: eine Fuji X100s, eine X-Pro1, sogar eine LeicaQ – wobei „kompakt“ da immer Auslegungssache ist. Die aktuellen High-End-Modelle der Kompaktklasse kratzen heute an der 1000-Franken-Marke. Und wozu?

Der entscheidende Gedankenstoss kam mir neulich, als ich mir eine uralte Nikon D3X zulegte. Eine Studiokamera aus einer Zeit, als die Megapixel noch heilig waren. Und die Bildqualität? Selbst heute noch zum Niederknien. Da wurde mir klar: Es muss nicht immer das Neuste und Beste sein.

Also wurde es eine Nikon Coolpix P7100 aus dem Jahr 2011.

Und nun, nach dem ersten richtigen Einsatz, komme ich zum Punkt: Ich bereue es bisher nicht eine Sekunde. Wir sind zwar noch in der Kennenlernphase – ein Handbuch hatte ich nicht und brauche ich auch nicht – aber das Gefühl ist jetzt schon grossartig. Klar, sie ist langsam. Der Autofokus gönnt sich gerne mal eine Bedenksekunde und sitzt nicht immer perfekt. Aber weisst du was? Sie macht trotz ihres uralten Sensors verdammt gute Fotos. Echte Fotos.

Gestern war ich mit meiner Kawasaki Z900RS unterwegs. 30 Grad im Schatten. Die Kamera in der Jackentasche. An einem Aussichtspunkt anhalten, Kamera raus, anvisieren, klick. Das Gefühl, ein echtes Bild zu machen, ohne die Motorradhandschuhe ausziehen zu müssen, ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Versuch das mal mit dem Smartphone-Touchscreen.

Sicher, während meiner Recherche habe ich festgestellt, dass es mit der P7800 einen jüngeren, besseren Nachfolger gibt. Und ja, ich muss zugeben, dass ich ein tolles Angebot dafür verschlafen habe. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bess’res findet.“ Aber ich habe mich bewusst dagegen entschieden. Ich wollte nicht mehr Geld ausgeben. Die P7100 war das perfekte Experiment.

Und bisher geht die Rechnung voll auf. Sie zwingt mich, langsamer zu sein. Bewusster. Ich mache vielleicht weniger Bilder als mit dem Handy, aber es sind bessere. Es sind wieder meine Fotos.

Also, mein Appell an euch: Kramt eure alten Kameras raus oder kauft euch für kleines Geld eine gebrauchte. Lernt sie kennen, lebt mit ihren Macken und entdeckt die Freude am Fotografieren neu. Macht wieder Fotos, statt nur zu knipsen. Der Unterschied ist grösser, als ihr denkt.

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Ich weiss, die Impressionen sind auch teils nur „Geknipse“, aber …egal! 😉

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