Meta, Facebook & die ewige Tragikomödie der Empörungskultur

Es gibt sie einfach, diese Texte, die man liest und sich fragt: „Ist das jetzt eine glühende Abrechnung, eine Selbsttherapie oder einfach nur der Schrei ins digitale Nichts?“

Der jüngste Wutausbruch gegen Meta – pardon, Mark Zuckerberg – liefert wieder alles, was das Herz der Social-Media-Widerstandskämpfer höherschlagen lässt. Faktenchecks weg? Reaktionen abschaffen? Zuckerberg = Musk 2.0? Das ist Stoff, aus dem Internetkriege gemacht sind.

Die Faktencheck-Farce

Okay, die Abschaffung der Faktenchecks bei Meta ist tatsächlich eine spannende Entscheidung. Dass Zuckerberg das mit „Zensur“ begründet, klingt wie eine Episode aus „Black Mirror: Social Media Edition“. Natürlich kann man argumentieren, dass Community-basierte Korrekturen ein demokratischeres Modell darstellen könnten. Aber sind wir ehrlich: Wer glaubt wirklich, dass Kommentarspalten von Faktenjägern regiert werden? Die meisten Community-Mitglieder sind nicht einmal in der Lage, zwischen Satire und Wahrheit zu unterscheiden. Und ja, viele Ecken von Facebook wirken inzwischen wie eine Troll-Fabrik auf Steroiden – das ist kein Geheimnis.

„Facebook ist tot!“ – Wirklich?

Der Text klagt an, dass Facebook schon lange eine Müllhalde voller Hass, Hetze und Desinformation ist. Das mag aus einer gewissen Perspektive stimmen, aber werfen wir einen Blick auf die Zahlen: Facebook hat immer noch über 2,9 Milliarden aktive Nutzer weltweit. Offenbar hat nicht jeder die Nase so voll wie unser Freund aus dem Blog. Die Plattform mag in Europa an Relevanz verlieren, aber global bleibt sie ein Schwergewicht.

Und dann die Reactions – besonders das „Lach-Emoji“, das scheinbar eine persönliche Vendetta gegen den Autor führt. Zugegeben, dieses Emoji wird oft unangebracht genutzt, aber wirklich Schuld daran trägt… nun ja, die Menschheit. Mark Zuckerberg hat den Leuten keine Anleitung gegeben, wie man Empathie ausdrückt.

Das romantisierte Fediverse und die Flucht vor dem Kapitalismus

Die Flucht von Meta zu Bluesky, Mastodon oder sonst wohin wird gern als heroische Rebellion gegen den digitalen Kapitalismus dargestellt. Aber wie viel Kontrolle hat man wirklich? Server im eigenen Keller? Schön und gut, aber irgendwann endet auch hier die digitale Selbstbestimmung – spätestens, wenn die Stromrechnung kommt oder der Server abstürzt.

Die Wahrheit ist: Jede Plattform hat ihre Probleme. Mastodon mag ein vermeintliches Paradies der Dezentralität sein, aber es ist nicht immun gegen Trolle, Hass oder die Unfähigkeit der Community, sich auf gemeinsame Regeln zu einigen. Der Traum von der perfekten sozialen Plattform bleibt – Überraschung – genau das: ein Traum.

Wut als Treibstoff für Veränderung

Was bleibt also von all dem? Ein weiteres wütendes Manifest gegen die grossen Tech-Giganten. Natürlich ist es gut, dass Menschen kritisch bleiben und Alternativen suchen. Aber irgendwann sollte man sich vielleicht fragen, ob es wirklich um Zuckerberg, Musk oder „böse“ Algorithmen geht – oder ob die Wut nicht eher aus einer tieferen Frustration über den Zustand der Welt und unserer Abhängigkeit von Technologie entspringt.

Wer Facebook, Instagram oder Threads den Rücken kehren will, soll das tun. Aber die Welt wird nicht besser, weil ein einzelner Mensch sein Konto löscht. Vielleicht hilft es, die eigene Erwartungshaltung zu hinterfragen: Social Media wird nie ein Ort voller purer Harmonie sein. Es ist ein Spiegel der Gesellschaft – mit all ihren Makeln und Absurditäten.

Fazit

Mark Zuckerberg wird nicht weinen, wenn ein weiterer User Facebook verlässt. Und er wird sicherlich keine Nachhilfestunden in Moral und Empathie finanzieren. Social Media bleibt chaotisch, unvollkommen und oft nervig – aber das ist genau das, was es auch so faszinierend macht. Wer den Rückzug wählt, hat jedes Recht dazu, aber eines bleibt klar: Das Problem sind nicht nur die Plattformen, sondern auch die Menschen, die sie bevölkern. Und leider gibt es für die keinen „Löschen“-Button.

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