3800 Kilometer, Drombuschs und das Warten auf Mittwoch

Das waren sie also – zwei Wochen Schweden.

Ich war heute in der Waschanlage, um den Dreck von über 3000 Kilometern runterzuwaschen. Es hat etwas seltsam Befriedigendes, dabei zuzusehen, wie der graue Schleier weicht. Während das Wasser über die Windschutzscheibe lief, habe ich mich dabei ertappt, wie ich mir wünschte, dass das mit den Sorgen und Nöten genauso einfach ginge. Einfach das Premium-Programm wählen, zurücklehnen, und am Ende ist alles sauber.

Aber so funktioniert das Leben leider nicht.

Morgen hat uns der Alltag wieder. Der "Ernst des Lebens", wie man so schön sagt. Wobei "Ernst" gerade eine ganz neue Gewichtung bekommt. Am Dienstag gibt es erst mal eine Portion Kontrastmittel, und am Mittwoch folgt dann der Termin, vor dem ich Respekt habe: Die komplette, detaillierte Diagnose inklusive dem "Wie geht es weiter"-Plan. Puhhh. Das auszusprechen (oder zu tippen) macht den Kloss im Hals nicht gerade kleiner.

Was lief eigentlich in Schweden?

Ehrlich gesagt: Nicht viel. Und genau das war wohl das Beste, was wir machen konnten.

Die Bombe ist nämlich genau einen Tag vor der geplanten Abreise geplatzt. Die Diagnose Brustkrebs stand im Raum, und kurzzeitig haben wir überlegt, alles abzublasen. Einfach hierbleiben, Decke über den Kopf. Aber wir haben uns für Abstand entschieden. Für Ablenkung. Rückblickend war das die absolut richtige Entscheidung.

Trotzdem will ich dir nichts vormachen: Die ersten Tage waren hart. Schweden war kein unbeschwerter Urlaub, sondern eher ein emotionaler Schleudergang. Es war ein ständiges Auf und Ab zwischen dunklen Horrorgedanken, Momenten der Positivität und Phasen tiefer Niedergeschlagenheit.

Wir haben uns an den kleinen Dingen festgehalten. Ausflüge in die Stille, lange Spaziergänge durch die winterliche Landschaft und – man mag es kaum glauben – "Diese Drombuschs". Ja, wir haben uns in die heile (und manchmal gar nicht so heile) Welt der 80er-Jahre-Serie geflüchtet. Es tat gut.

Zu Silvester waren wir eingeladen und sind spontan einen Tag früher hingefahren. Diese Zeit unter Menschen, weg vom eigenen Gedankenkarussell, war unglaublich hilfreich und erholsam.

Die Rückreise

Am 2. Januar ging es dann zurück Richtung Heimat. Und da hatten wir wohl mehr Glück, wenn man sich die Wetterberichte ansieht. Das Schneechaos in Schweden haben wir nur kurz gestreift, und auch das rund um Berlin haben wir irgendwie umschifft. Wir sind unfallfrei, ohne Stau und sicher wieder hier in der Schweiz gelandet.

Das Auto glänzt wieder. Die Koffer sind ausgepackt. Jetzt heisst es: Tief durchatmen für Mittwoch.

Das nur als kleines Statusupdate von mir. Passt auf euch auf.

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