Laut meiner Fitness-App war ich das letzte Mal richtig trainieren vor … na ja, sagen wir: einer kleinen Ewigkeit – es war im April. Klar, zwischendurch war ich mal dort. Aber nicht, um ernsthaft zu schwitzen, sondern eher, um mein schlechtes Gewissen auf Schrittgeschwindigkeit zu bringen. Damit es nicht so laut schreit.
Und das zieht sich wie ein roter Faden durch viele Bereiche meines Lebens.
Zum Beispiel #Lesen. Ich liebe Bücher. Ich liebe es, sie zu kaufen. Ich liebe es, sie zu stapeln. Ich liebe es, sie haben zu wollen. Aber lesen? Wirklich lesen? Da lande ich meistens nach Seite 20 in irgendeinem anderen Gedankenstrom. Und das Buch bleibt liegen – wortwörtlich und metaphorisch.
Oder das Thema #Bildung. In meiner YouTube-„Später ansehen“-Liste warten Dutzende Tutorials, Dokus und spannende Beiträge darauf, dass ich mir endlich mal ernsthaft Zeit nehme. Aber stattdessen ziehe ich mir dann doch wieder den üblichen Tagescontent rein – der Algorithmus weiss eben genau, wie er mich bei der Stange hält. Bildung bleibt da oft auf der Strecke. Leider.
Ein ganz anderes, aber verwandtes Thema: #Selfcare. Es gab eine Zeit, so um 2018, da hatte ich wirklich einen guten Draht zu mir selbst. Meditation, Buddhismus, bewusst leben. Das hat mir geholfen, ruhiger zu werden, klarer zu denken. Aber genau dann, wenn es einem besser geht, schleichen sich die alten Muster wieder ein. Die Routinen verschwinden so leise, wie sie gekommen sind. Vor ein paar Monaten habe ich mir ein neues Meditationskissen gekauft. Ich habe es genau einmal benutzt. Es sieht aber gut aus, da in der Ecke.
Und dann gibt es da diesen einen Punkt, den wahrscheinlich viele kennen: dieses diffuse Gefühl, so viel machen zu können. Radfahren. Fotografieren. Musik hören. Motorrad fahren. Lesen. Zeichnen. Dinge erleben, sich weiterentwickeln. Und am Ende des Tages? Sagt die Couch: „Komm, setz dich. Nur kurz.“ Und ich? Ich höre.
Das Ganze nennt man #Prokrastination. Aber ich frage mich: Ist es wirklich nur Faulheit? Oder liegt es am Alter? An der Reizüberflutung? Am ständigen Gefühl, funktionieren zu müssen? Oder schlicht daran, dass man manchmal einfach nicht kann, auch wenn man will?
Wie geht es euch damit? Kennt ihr das? Habt ihr Wege gefunden, aus dem Trott auszubrechen? Oder steckt ihr, wie ich, irgendwo dazwischen – zwischen Anspruch und Alltag, zwischen Vorhaben und Wirklichkeit?
Titelbild: Pedro Gabriel Miziara auf Unsplash
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