„Ich mache das seit 1999, ich weiss, was echt ist“

Lange habe ich das Thema ignoriert, weil es mir egal war. Aber aktuell dreht sich der Wind in eine komische Richtung: Es stinkt zum Himmel! Cancel Culture – jetzt auch in der deutschen Blogszene


Oh bitte, steigt von eurem hohen Ross der „digitalen Echtheit“ herab!

Da ist er wieder, der moralinsaure Zeigefinger der alten Internet-Garde. Ein weiteres Manifest, triefend vor Nostalgie für eine Zeit, in der Blogs noch aus Holz geschnitzt waren und jeder Satz eine schmerzhafte, „ehrliche“ Geburt sein musste. Wer hat euch eigentlich zu den Türstehern der persönlichen Ausdrucksweise ernannt?

Diese unfassbare Arroganz, anderen vorschreiben zu wollen, wie ihr „wahres Ich“ auszusehen hat, ist atemberaubend. Da stellt sich jemand hin und dekretiert: „Wenn du ein Werkzeug benutzt, um deine Gedanken zu ordnen, dann bist das nicht mehr DU.“

Was für ein elitärer Unsinn.

Das ist die gleiche reaktionäre Logik, mit der man Musikern vorgeworfen hat, sie seien keine echten Künstler, wenn sie einen Synthesizer statt einer Akustikgitarre benutzen. Es ist die Angst des Handwerkers vor der Maschine, getarnt als Sorge um die „Seele“ des Internets.

Ihr verwechselt den Prozess mit dem Ergebnis. Wenn ich eine KI nutze, um meine wirren Gedanken zu strukturieren, um eine Metapher zu finden, die mir auf der Zunge liegt, oder um einfach eine Schreibblockade zu durchbrechen – wer seid ihr, zu beurteilen, dass das Ergebnis weniger „mein“ Gedanke ist? Ich bin der Dirigent. Die KI ist das Orchester. Die Musik stammt von mir.

Nicht jeder hat die Zeit, die Musse oder die masochistische Ader, stundenlang auf ein leeres Blatt zu starren, nur um dem von euch geforderten Reinheitsgebot des „echten Schreibens“ zu genügen. Für manche Menschen ist KI ein Exoskelett für ihre Kreativität. Es ermöglicht ihnen, Dinge auszudrücken, die sonst in ihrem Kopf gefangen blieben. Ihnen das abzusprechen, weil es nicht eurer Vorstellung von „authentischem Kampf“ entspricht, ist purer Snobismus.

Behaltet eure „private Wiese“ mit dem handgemähten, unperfekten Gras. Pflegt eure Ecken und Kanten wie Trophäen. Aber hört auf, von der Kanzel herab zu predigen, dass jeder, der ein modernes Werkzeug benutzt, ein seelenloses „Weichtier“ ist, das „Abfall“ produziert.

Das ist seine Meinung, aber keine Vorschrift für dein Blog. Wenn du KI nutzen möchtest, um dich kreativ auszudrücken, ist das allein deine Entscheidung – egal, was die „Blog-Polizei“ von 1999 dazu sagt.

Mein privates Blog ist meine Spielwiese. Und wenn ich da mit einem KI-Bagger anrücke statt mit dem rostigen Schäufelchen, dann ist das verdammt noch mal meine Sache. Ihr müsst es nicht lesen. Aber erspart uns die predigende Attitüde. Die Zukunft wartet nicht darauf, dass ihr sie gutheisst.


Mit KI generiert 🙂

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Foto von Albert Stoynov auf Unsplash

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