Fragen über Fragen

Oder: Warum ich (noch) nicht alles lösche

Der Auslöser für diesen Post war ein Text von Horst: 👉 Zwischen Selbstverpflichtung und Selbstaufgabe

Darin heisst es u.a.:

„Das Netz ist voll, übervoll. Die Stimmen werden lauter, schriller, zahlreicher. Und leider (alles in allem) nicht besser. Qualität geht in der Quantität unter. Das meiste ist Meinung auf Autopilot – oft dumm, selten reflektiert. Und in dieser Kakophonie soll man noch Bedeutung finden? Vielleicht wäre weniger wirklich mehr. Vielleicht wäre weniger wirklich mehr. Weniger Posts, weniger Geltungssucht, weniger Empörung.“

Auch wenn ich mich selbst nicht zu denen zählen will, die „Meinung auf Autopilot“ liefern – ganz frei bin ich von diesem Reflex wohl auch nicht immer. Ich hatte jedenfalls auch schon öfter den Gedanken, alles zu löschen. Aber 1500+ Beiträge, Erinnerungen, Tipps und Fundstücke – einfach ins Nirvana schicken? Nein.

Zwischen digitale Reizüberflutung mit wenig Substanz und persönlicher Bedeutung
www.oliverswelt.de ist – so pathetisch es klingt – in erster Linie für mich. Für mein Ego. Mein Gedächtnis. Mein Tagebuch. Mein digitaler Notizblock. Der Name Notizblog ist kein Zufall. Ich nutze das Ding als Archiv, stöbere gerne mal durch alte Beiträge, zeige anderen Urlaubsfotos oder empfehle Orte, die mir gefallen haben. Und: Ich bin froh, diese Instanz online zu haben.

Ein wichtiger Teil ist auch mein Umgang mit GBS-CIDP – auch hier will (und werde) ich weiterhin Informationen teilen. Nicht fürs Mitleid, sondern für andere Betroffene. Manchmal kann ein einziger Beitrag helfen.

Und trotzdem: Ich merke, dass ich je nach Stimmung und Trigger auf Themen reagiere, die ich früher gar nicht thematisiert hätte. Politisch habe ich mich früher kaum geäussert – seit Corona ist das anders geworden. Ob das gut ist? Keine Ahnung. Vielleicht sollte ich den Blog wieder stärker zu seinen Wurzeln zurückbringen. Weniger „Meinungs- & Erziehungsbeiträge“. Weniger Reaktion auf den Irrsinn da draussen. Einfach wieder mehr ich.

Frühjahrsputz im Kopf (und im Feed)
Einen Schritt habe ich schon gemacht: Ich habe mich aus dem UberBlogr-Webring austragen lassen und die Links hier gelöscht. RSS-Feed? Entfolgt. Ich lese meine Lieblingsblogs eh schon direkt, einzeln abonniert. Alles andere ist zu viel Aufwand – und zu viel Lärm.

Wer meinen Blog lesen will, findet ihn. Wer ihn nicht lesen will, muss ihn nicht blockieren.

So einfach ist das manchmal. 😉


Foto von Lilly Rum auf Unsplash

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