Freunde – und warum wir sie manchmal verlieren (6)

Die Mutter als Freundin

Manche Freundschaften beginnen bei der Geburt. Die Mutter – für viele die erste und vielleicht wichtigste Bezugsperson im Leben. Und manchmal auch eine Freundin.  Über 50 Jahre ist sie Teil meines Lebens. Ein Teil, der nicht nur Mutter sein war, sondern auch jemand, zu dem ich Vertrauen hatte. Zumindest habe ich das lange so empfunden.

Jetzt sitze ich hier, nach einer weiteren Enttäuschung. Eine von vielen. Aber dieses Mal war es anders. Dieses Mal hat es etwas verändert.

Ich muss hier nicht meine ganze Kindheit und Jugend erzählen. Dafür ist ein Blog nicht der richtige Ort. Der Psychologe soll ja auch noch was zu tun haben, sage ich mir. Aber dieser Teil gehört zu meiner Serie „Wahre Freunde“. Was ich sagen kann: Diese Beziehung war lange ein Anker. Und jetzt… jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich Abstand brauche.

Vielleicht war es die Podcastfolge von Hotel Matze mit Hans Sigl, die mir den letzten Schubser gab. (Falls es euch interessiert – hört mal rein: YouTube-Link. Es lohnt sich.)

Es gibt Momente im Leben, da kann man nicht mehr so tun, als wäre alles gut. Da will man sich nichts mehr schönreden. Ich habe lange versucht, Dinge zu verdrängen. Jahrzehnte. Aber jetzt? Jetzt braucht das enttäuschte Kind im Manne eine Pause. Das Kind im Manne ist zwar immer noch das Kind der Mutter. Aber jetzt ist es auf einer längeren Klassenfahrt. Und weisst du was? Es geht ihm gut dort.

Vielleicht braucht es Zeit. Vielleicht braucht es Ruhe. Und vielleicht ist das der Weg, den wir gerade gehen müssen.
Bestärkt durch das, was unausgesprochen blieb. Durch fehlende Erklärungen. Und weil gerade ohnehin so viel los ist in meinem Leben, dass ich diesen Raum für mich brauche.

Diese Klassenfahrt – nennen wir es ruhig Auszeit – dauert jetzt länger als gedacht. Und das ist okay. Ich bin mit mir selbst und meiner Zukunft genug beschäftigt. Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Aber sie hat immer genug Pflaster parat.


Fazit

Es geht nicht um Schlussstriche. Es geht um Abstand. Manchmal braucht man ihn, um wieder zu sich selbst zu finden.
Ob und wann Wege wieder zusammenführen – das wird die Zeit zeigen.

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