In unserer modernen Welt, die von Schnelligkeit, ständiger Erreichbarkeit und dem Streben nach „schneller, weiter, höher“ geprägt ist, sehnen sich immer mehr Menschen nach einem Ruhepol.
Dieser Ruhepol findet sich oft in der Rückbesinnung auf das Analoge – sei es in der Fotografie oder beim Musikhören.
Das Video, das die Erfahrungen von Stephan Wiesner mit der Analogfotografie dokumentiert, beleuchtet eindrucksvoll die Faszination dieses Trends. Stephan, zunächst skeptisch gegenüber der Analogfotografie, entdeckt schnell deren „magische“ Anziehungskraft. Er beschreibt den „Glücksspiel-Effekt“, die wochenlange Vorfreude auf die entwickelten Bilder und das bewusstere, langsamere Fotografieren, das durch die Kosten pro Bild und den manuellen Prozess entsteht. Misslungene Fotos werden nicht einfach gelöscht, sondern analysiert, was zu einem höheren Lerneffekt führt. Diese Aspekte – die Spannung, die Vorfreude, das bewusste Erleben und der tiefere Lerneffekt – sind genau das, was viele Menschen in einer digital überfluteten Welt vermissen.
Ähnlich verhält es sich mit dem seit Jahren wieder vermehrt analogen Musikhören. Die Schallplatte aka Vinyl erlebt eine Renaissance, und das aus gutem Grund. Das Auflegen einer Platte, das bewusste Hören ohne Ablenkung durch Benachrichtigungen oder Algorithmen, schafft ein ganz anderes Musikerlebnis. Es ist ein Akt der Wertschätzung für die Musik und ein Moment der Entschleunigung. Der „Wärme“ des Klangs von Vinyl wird oft eine größere Authentizität zugeschrieben, die sich vom oft perfektionierten, aber manchmal auch seelenlosen digitalen Sound abhebt. #LoudnessWar
Diese Rückkehr zum Analogen, sei es in der Fotografie oder Musik, ist mehr als nur ein Trend; sie ist eine bewusste Entscheidung für Entschleunigung und Präsenz. In einer Welt, die uns ständig dazu antreibt, schneller, weiter und höher zu streben, braucht es einen Gegenpol. Genau hier kommt Achtsamkeit ins Spiel. Achtsamkeit ist die Praxis, den gegenwärtigen Moment bewusst und ohne Wertung wahrzunehmen. Sie hilft uns, dem Druck des Alltags standzuhalten und innere Ruhe zu finden.
Ich spreche da aus eigener Erfahrung: Ich habe das analoge Fotografieren vor Jahren selbst praktiziert, unter anderem mit einer #Konica Hexar AF und einer #Pentax K1000. Und bis heute liebe ich es, eine feine Schallplatte aufzulegen und mich ganz dem Vinylsound hinzugeben. Diese Momente der bewussten Auseinandersetzung sind unglaublich bereichernd.
Ob es das bewusste Auswählen des Films, das Warten auf die Entwicklung der Bilder, das sorgfältige Auflegen einer Schallplatte oder die stille Konzentration auf den Atem bei einer Achtsamkeitsübung ist – all diese Aktivitäten bieten einen wertvollen Ruhepol. Sie ermöglichen es uns, innezuhalten, zu reflektieren und die kleinen Details des Lebens wieder wertzuschätzen. Die Faszination des Analogen und die Praxis der Achtsamkeit sind somit zwei Seiten derselben Medaille: Sie bieten uns die Möglichkeit, dem schnelllebigen Alltag zu entfliehen und zu einem bewussteren, erfüllteren Leben zurückzukehren.
Titelfoto: Mario Beqollari auf Unsplash
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